Notizen aus dem Jahr 1995
„Wenn ich heute aus dieser Weite, einer Weite, die weniger in Kilometern als vielmehr in Zeit gemessen wird, zurückblicke, erscheint mir die Vergangenheit zugleich unglaublich fern und seltsam nah. Dann denke ich über den Sinn meines Lebens nach.
Da ist dieses Gefühl der Wertlosigkeit, des Bedauerns über meine vielen Fehltritte, und gleichzeitig die tiefe Überzeugung, dass alles, was mir widerfahren ist, seine Bedeutung hatte und genau so geschehen musste – so, wie es geschehen ist und nicht anders.
Bin ich glücklich gewesen? Bin ich es heute?
Ich glaube, nicht jeder Mensch besitzt die Fähigkeit, sich im Leben glücklich zu fühlen. Vielleicht ist Glück nicht nur ein Zustand, sondern auch eine Gabe. Vermutlich fehlt mir genau diese.
Wahrscheinlich sind es gerade meine Ängste, meine Unruhe, meine Unzufriedenheit, die mich antreiben. Sie zwingen mich, weiterzugehen, weiterzusuchen, helfen mir, die Welt zu verstehen.
All das gibt meinem Dasein seine Farbe, macht es einzigartig.
Wäre ich, wenn ich anders gewesen wäre, ein besserer Mensch? Ein glücklicherer? Will ich überhaupt anders sein?
Nein. Ganz bestimmt nicht. So, wie ich geboren bin, wie ich mich entwickelt habe – mit all meinen Stärken und Schwächen, mit Fehlern, die ich gemacht habe und noch machen werde, mit meinen finsteren und meinen sonderlichen Gedanken, mit allem Glück und allem Unglück –, so will ich bleiben. Nichts möchte ich verändern. Denn das ist mein Leben. Und das bin ich. „Ich – ein Mensch, den es so kein zweites Mal gegeben hat und nie wieder geben wird.“
* * *
1995 war ich 41, jetzt bin ich 72 Jahre alt. Damals ahnte ich die tief in meinem Unterbewusstsein vergrabene entsetzliche Wahrheit noch nicht. Erst Jahre später sollte ich verstehen, warum so vieles in mir so schwer war. Trotzdem muss ich gestehen, dass sich in meinem Denken – abgesehen von ein paar Nuancen – nichts Wesentliches verändert hat. Heute kann ich auf mein Leben schauen und sagen: Ich bin geworden, wer ich sein sollte – trotz allem und vielleicht gerade deshalb. Mein Weg war nie falsch – er war einfach meiner.

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