Rosas Blog


Nibirus Heimsuchung

NIBIRU schreibt ausdrucksstarke und wunderschöne Gedichte, die so viel an Lebenserfahrungen, Gefühlen und Empfindungen wiedergeben, dass ich oft denke - ja, genauso hätte ich es auch gern in Reime gefasst, wenn ich denn könnte. Aber zum Dichten fehlt mir das Talent, dafür kann ich jedoch ein bisschen Prosa ;-)

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Zersplittert

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Von Umarmungen und anderen Herzlichkeiten

Es war nicht nur der Sprung in eine fremde Welt, es war das Eintauchen in eine andere Atmosphäre ... damals, vor 25 Jahren. In eine wärmere Atmosphäre, sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinne. Schon von dem Moment an, als wir das Areal der Lufthansa im Moskauer Flughafen Domodedowo betraten, spürte ich sie - die Veränderung. 

Im Flugzeug die Crew - lächelnd, einladend, hilfsbereit. Am Flughafen Frankfurt am Main - alles hell, ruhig, ohne Hektik. Die Gesichter der ersten Deutschen, denen ich begegnete, so ganz anders - entspannt, freundlich. Frei.

 

Nein, ich will nicht behaupten, dass alle Deutschen nur entspannt und freundlich sind und die Russen - gestresst und grimmig; später würde ich auch das Gegenteil sehen und kennenlernen. Nichtsdestotrotz werde ich gewöhnlich auf den ersten Blick erkennen können, wen ich vor mir habe - einen 'waschechten' Deutschen oder jemanden, der aus Russland kommt. Irgendetwas unterscheidet sie. Der Blick, der Gesichtsausdruck, die Bewegungen, das Verhalten … Oder ist es die Unsicherheit, die immer wieder durchkommt, das 'Auf der Lauer sein', ein Schatten der alten Angst? Ja, Russland färbt ab, sehr sogar, für immer und ewig sogar.

 

Wie steht es denn um mich selbst? Hat Russland auch bei mir seine Spuren hinterlassen? In einer Hinsicht ganz gewiss - meinen Akzent werde ich im Leben nicht mehr los :-) Ansonsten "erkennen" mich meine Landsleute nur selten und sind meistens überrascht, wenn ich (zum Beispiel bei der Anmeldung in der Bücherei) plötzlich meine Sprachkenntnisse verrate. Und meine FreundInnen sagen: "Du bist ganz anders". Nun - "anders" bin ich ja sowieso. ;-) Aber klar - auch an mir ist das Leben im Sozialismus nicht spurlos vorbeigegangen.

 

Dennoch war ich von Anfang an offen für das Unbekannte, das mich im fremden Land erwartete; ich wollte alles sehen, spüren, erleben und mitmachen. Ich wollte mittendrin sein, auch wenn ich (von klein auf) schüchtern und zurückhaltend bin und es überhaupt nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen. Die Neugier, das Interesse, das 'Dazu-gehören-wollen' waren meine Triebkraft.

 

Mein Mann und ich gingen am Anfang sogar in die Kirche. Das muss man sich mal vorstellen - ich und der liebe Gott! Uns ging es jedoch in erster Linie um Kontakte zu den Menschen, die uns, Neuankömmlinge, auch sehr herzlich empfingen. Meine Kirchenzeit war allerdings nicht von langer Dauer. Relativ schnell bekam ich das Gefühl, am falschen Ort zu sein und vor allem, nicht ehrlich zu sein, denn an Gott glaubte ich nach wie vor nicht. Als ich dann einer Frau, mit der wir uns angefreundet hatten, anvertraute, dass ich mich "anders" fühle, und sie sich in dem Sinne äußerte, dass Gott so etwas gar nicht gutheißen kann, da war es mit meiner "Frömmigkeit" endgültig vorbei.

 

Wenn ich jetzt fünf Schlagwörter für meine erste Zeit in Deutschland vergeben müsste, würde ich diese wählen: Freiheit, Menschlichkeit, Herzlichkeit, Wertschätzung und immer wieder Staunen, auch auf die Gefahr hin, ausgelacht zu werden. (Aber seid vorsichtig - denn ihr - diejenigen, die in Deutschland geboren seid - wart nie in Russland und habt nie den Alltag dort gelebt).Bis heute erinnere ich mich an eine kleine Episode, die mittlerweile normal und alltäglich ist, die mir damals unglaublich vorkam.

 

Wir hatten in den ersten Wochen und Monaten in Hemer viel zu erledigen. Erstmal galt es - ganz wichtig! - herauszufinden, wie das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln funktionierte (die richtigen Fahrkarten kaufen, einsteigen, aussteigen, sich mit Fahrplänen auseinandersetzen). Dann den Wohnsitz registrieren zu lassen, Stromanbieter zu finden, Vertriebenen-Ausweis zu beantragen. Das Gesundheitssystem kennenzulernen, sich für einen Hausarzt und einen Zahnarzt zu entscheiden. Schule für den Jüngsten zu wählen, zu besichtigen, ihn dort anzumelden … und so weiter, und so fort. Davon ganz zu schweigen, dass wir jede Menge für die Wohnung brauchten.

 

Aufregend waren auch die Geldangelegenheiten. Solange wir in den Aufnahmelagern waren, bekamen wir die Unterstützung bar ausgezahlt. Nach der Registrierung im Einwohnermeldeamt mussten wir uns jedoch um ein Bankkonto kümmern, denn ohne ging gar nichts. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass wir uns nicht lange vom Staat versorgen ließen - schon nach wenigen Monaten fand mein Mann eine Arbeitsstelle, und da blieb er auch bis zu seinem Tod im April 2005. Bei mir dauerte es etwas länger, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Ein Girokonto! So etwas gab es in Russland nicht. Ebenso wie EC-Karten und Geldautomaten.

 

Wir wählten die Sparkasse. Die Sache war im Nu erledigt und wir verließen das Gebäude im Besitz der nagelneuen, schönen, roten Bankkärtchen. Ein paar Tage später begegnete ich auf der Straße einem Mann, der mich freundlich anlächelte und grüßte: "Hallo, Frau Ananitschev!". Es war der Sparkassen-Angestellte, der uns die erste, notwendige Einführung in die deutsche Finanzwelt gegeben hatte. Ich war sprachlos. Auch das gab es in Russland nicht! Die Menschen grüßten schon, aber nicht die Bankangestellten - auch wenn sie dich kannten. Einfach so - auf der Straße, im Vorbeigehen, mit einem Lächeln im Gesicht, dann noch namentlich? Ein Ding der Unmöglichkeit! In Russland gab es ungeschriebene Regeln. Hierarchien. Ja, im Kommunismus waren bei Weitem nicht alle Menschen gleich.

 

Ich war beeindruckt, nicht zuletzt, weil der Mann auch noch meinen Namen behalten und ihn sogar richtig ausgesprochen hatte. Es fühlte sich gut an.

 

Die erste Freundschaft, die ich in Deutschland geschlossen habe, besteht bis heute. Das ist eine schöne Geschichte und vielleicht erzähle ich sie irgendwann vollständig :-) Diesmal nur so viel, und damit komme ich zu dem Begriff, der im Titel dieses Blogartikels angegeben ist, zu den Umarmungen. Ich war ziemlich verwundert, als die neu gewonnene Freundin mich zum ersten Mal, zusätzlich zu dem üblichen Tschüss, umarmte … Sie merkte meine Verwirrung und lachte: "Das machen Freunde eben so, wenn sie sich treffen oder verabschieden." Das Problem war nur - ich kannte so eine nette Geste nicht. In meiner alten Heimat umarmten sich Menschen nicht einfach so, dazu musste es schon einen wichtigen Anlass geben. Und in meinem Elternhaus waren Umarmungen … sagen wir mal so - nicht populär. Auch nach langer Abwesenheit nicht, auch an Weihnachten oder bei sonstigen Feierlichkeiten nicht. Es war in unserer Familie nicht üblich, Herzlichkeiten untereinander auszutauschen, so wie es nicht üblich war, zum Geburtstag zu gratulieren. Wie ich schon in meinem Buch geschrieben habe: "Wir sind in kühler Atmosphäre erzogen worden und in sibirischer Kälte aufgewachsen."

 

Die Kindheit … Dort nimmt alles seinen Anfang, dort werden die Grundsteine für den Lebensweg gelegt, Charaktereigenschaften gebildet, Ängste gepflanzt, Ängste, die oft nur schwer auszurotten sind. Der Umgang in der Familie, das Miteinander - auch das färbt ab, schafft Verhaltensweisen, die später im Leben zu einem Hindernis werden können. 

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Ein Tag von vielen

Es gibt Tage, an denen ich schon beim Aufwachen weiß – dieser wird nicht gut … Ich öffne die Augen und möchte sie am Liebsten wieder schließen und so diesem qualvollen Gefühl entfliehen, dem Gefühl, das man als Depression bezeichnet. Ich hasse dieses Wort – seit dem Augenblick, als ich begriffen habe, dass sie Teil meines Lebens ist. Aber es hilft nicht, der Hass schreckt die graue Hexe (wie ich sie oft selbst nenne) nicht ab und lässt sie nicht verschwinden.

Zum ersten Mal besuchte sie mich vor vielen, vielen Jahren – ich war noch ein Kind … und seitdem kommt sie immer wieder mal vorbei. Sie schleicht sich meistens schon nachts in meinen Schlaf und sobald ich wach bin, schlägt sie voll zu. Sie trampelt auf mir herum und raubt mir den Mut, die Kraft und die Freude. Gemein und hinterhältig sucht sie sich meine Schwächen heraus und setzt sie gegen mich ein. Das ist es ja, was sie doppelt so abscheulich macht – wenn sie einmarschiert, dann schleppt sie in ihrem Schatten, um Vielfaches vergrößert, alle meine Sorgen und wunden Punkte mit. Sie schüttet sie über meinen Kopf aus und grinst dabei: „Na, wie wirst du damit fertig?“

Den Tag zu beginnen ist eine Qual. Aber ich ignoriere sie. Ich versuche es zumindest! ich bin ich, ich bin stärker! Ich stehe auf, ich lebe meinen Tag, Schritt für Schritt. Obwohl jeder Schritt einem Kampf gleicht, jeder Schritt mir Angst macht und manchmal eine enorme Überwindungskraft erfordert. Zum Glück – sage ich mir – zum Glück ist sie diesmal allein, ohne ihren Partner. Denn der … der ist noch viel grauenvoller. Der ist ein Monstrum unter Monstern. Sein Name ist Panik und er ist nur aufs Vernichten aus …

Wie an jedem unschönen Tag, der so anfängt, frage ich mich – was ist passiert, warum ist die Depression wieder da? Ich versuche mich zu erinnern, was ich geträumt habe … Obwohl ich immer viel und oft in allen Farben träume, sehe ich diesmal nichts außer einer leeren, dunklen Wand. Ich begreife (natürlich tue ich das, ich habe schließlich reichlich Erfahrung mit meiner Psyche) – mein Schutzschild hat sich eingeschaltet und ganze Arbeit geleistet, hat den Pinsel genommen und die Bilder, die ich vergessen sollte, die ich nicht mehr sehen durfte, mit schwarzer Farbe übermalt. Nur den Schmerz und die schon entstandenen Gefühle, die letztendlich die graue Hexe  herbei lockten, die konnte er nicht wegwischen. Wie auch?

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Winter und ... Winter

Als NETzWorking-Aufgabe - Mein erster Versuch, eine Online-Präsentation zu erstellen - mit Sway (ein Dienst von Microsoft). Es hat Spaß gemacht, daran zu arbeiten, und ich glaube, sie ist mir einigermaßen gelungen. Aber schaut und urteilt selbst :-) Viel Vergnügen!

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Ein Vierteljahrhundert

Jubiläum verpasst!

 

Ja, ich hätte feiern können – ein Vierteljahrhundert meines Lebens in Deutschland. Vor 25 Jahren, am 4. Dezember 1992, nahmen meine Familie und ich Abschied von dem frostigen Moskau, wo wir fast zwei Wochen an der Deutschen Botschaft in der Warteschlange verbrachten (um die Visa zu bekommen). Im Flugzeug der Lufthansa hoben wir wahrhaftig und entgültig ab – in Richtung Frankfurt am Main. Dort empfingen uns überraschend milde Temperaturen … und eine völlig andere Welt.

Drama Theater in Omsk, 2003
Drama Theater in Omsk, 2003
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Gedanken zum Hintergrundbild

(Hintergrundbild meines Profils bei WordPress)

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Fortitudo

Vier Tage in München ... Nun sind Daggi und ich wieder zurück. Es war eine schöne Zeit mit zwei lieb gewonnenen Freundinnen. Wir sprachen über dies und das und jenes. Auch zu den Themen ‚Spiritualität‘ und ‚außergewöhnliche Erlebnisse‘ hatte jede von uns etwas beizutragen, sogar ich, obwohl – wie allgemein bekannt – ich ziemlich schweigsam bin und lieber anderen zuhöre als selbst rede.

Woher schöpfen wir die Energie, was sind die besondere Orte, die uns inspirieren, an denen wir uns mit der Natur, mit dem ganzen Universum verbunden fühlen, die uns bestätigen, dass das, was wir tun, das einzig Richtige ist? Was bewegt uns, macht uns glücklich und was sind die Steine, die uns im Weg liegen?

Wie um diesem Thema einen Abschluss zu geben, unternahmen wir am Dienstag einen Ausflug ins Kloster Seeon. Für die zwei Münchnerinnen ist es der Ort der Magie und Inspiration. Ich glaube nicht an Gott – das wiederhole ich immer wieder gern – und doch war ich fasziniert von dem, was ich alles sah. Beeindruckend das Skriptorium – die mittelalterliche Schreibwerkstatt. Die Farbherstellung für die Schriften und Zeichnungen in dieser Zeit – hochinteressant. St. Walburgis Kirche – die an der Friedhofsmauer angebrachte Grabplatte mit der Aufschrift „Anastasia“ weist auf die beigesetzte Urne der sehr umstrittenen, angeblichen Tochter des letzten Zaren hin … Wir sahen uns die Klosterkirche an, bewunderten die Orgel, auf der einst Mozart spielte.

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Für Ida

Meine liebe Schwester, es tut mir unsagbar leid, dass ich diese Zeilen erst jetzt schreibe und Du sie nicht mehr lesen kannst, dass ich Dich in meinem Buch nur am Rande erwähnt habe, obwohl mich mit Dir doch so vieles verbindet. Und es tut mir leid, dass wir in den letzten Jahren Deines Lebens außer gelegentlichem Telefonieren keinen regelmäßigen Kontakt hatten. Wie so oft, wird es einem bewusst, was man alles versäumt hat, erst dann, wenn es zu spät ist.

Ich habe nicht viele Erinnerungen aus der Kindheit, die Dich direkt betreffen, aber die, die ich habe, sind kostbar. Dir habe ich die Liebe zum Sternenhimmel zu verdanken. Wenn ich abends auf der kleinen Bank am Tor saß, geselltest Du Dich manchmal zu mir und erzähltest, was Du schon über den Kosmos, über fremde Planeten und Sonnensysteme wusstest. Es war aufregend, sich andere intelligente Wesen oder böse Aliens vorzustellen. In solchen Momenten fiel von mir alle Last ab - ich fühlte mich wie beflügelt angesichts der unvorstellbaren ewigen Unendlichkeit. Du hast in mir auch das Interesse an Science-Fiction-Büchern geweckt, zwar hat es mit den Jahren nachgelassen, aber als Jugendliche habe ich gerne Romane von Isaac Asimov, Ray Bradbury, Stanislaw Lem oder von bekannten russischen Schriftstellern Alexandr Abramow und Iwan Jefremow gelesen ... Es war für mich eine fremde, abenteuerreiche Welt, in der alles möglich war, in der Wunder geschehen konnten.

 

Einmal habe ich Dich verraten ... Daran kann ich mich noch gut erinnern.

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Gedanken und Träume

Schon als kleines Kind machte ich mir vielе Gedanken über das Leben und den Tod, über den Kosmos überhaupt. Ich war meistens in meiner eigenen inneren Welt unterwegs (das nennt man wohl „In sich gekehrt“), hatte meine besonderen Tag- und Nachtträume, in die ich flüchten konnte. Das ‚Leben‘ war für mich so etwas wie ein ‚Muss‘. Was blieb mir anderes übrig? Ich war da, ich musste leben. Wo und wie sollte ich mich auch davor verstecken, außer vielleicht in meinen Träumen? Zu alledem war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich selbst unsterblich bin. Ich und Sterben? Nie und nimmer! Wie soll das denn gehen, wenn ich doch für mich selbst die Welt bin? … Es war ein einzigartiges Gefühl, ein Gefühl, das ich nicht mal beschreiben konnte, sogar jetzt nicht beschreiben kann. Es war ein unerschütterliches Wissen, ein Naturgesetz, vielleicht sogar extra für mich geschaffen.

Gleichzeitig wusste ich, dass Menschen sterblich sind, ich wusste, was ‚tot‘ bedeutet – hatte ich doch bereits als Kind Tote gesehen, Menschen, die wiederum keine Menschen mehr waren … nein – sonst würde man sie nicht, in hölzernen Kisten ‚verpackt‘, unter der Erde begraben. Nur hatte ich dieses ‚Totsein‘ nicht in Verbindung mit mir bringen können. Ich werde nie tot sein – das war mir klar.

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Erstaunliche Erkenntnisse

Der Mensch, das Leben, das Universum ...

Die faszinierendsten und geheimnisvollsten Themen. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Hat unsere Existenz überhaupt einen Sinn?

Das Sterben ... Was passiert mit uns, wenn wir aufhören zu atmen, was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr da sind? Wir denken nicht viel darüber nach – solange wir zufrieden und gesund sind. Aber irgendwann, zu einem gewissen Zeitpunkt, werden viele von uns sich diese Fragen stellen – vielleicht auch ich. Wie schwer würde es mir fallen, zu realisieren, dass ich todkrank bin, dass mir vielleicht nur noch ein paar Monate zum Leben bleiben? Was würde ich tun, wie würde ich mich verhalten? …

Und wie geht es einem Kind, das erfahren muss, dass es nicht mehr lange zu leben hat?

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Rosa im Regenbogen. Und andersrum ...

Diesen Artikel von Ilona Munique bei WordPress möchte ich gern hier festhalten.

Ein raffiniertes Wortspiel mit Regenbogen, meinem Namen und Andersrum – es hat mich richtig geflasht  (ich benutze mal ausnahmsweise :-) einen englischen Ausdruck). Doch ist es nicht nur eine schöne Spielerei, darin steckt auch ein großes Stück Wahrheit – über mich, mein Leben und mein Schreiben. Ja, das Schreiben … Ich weiß – ich gebe in autobiografischen Texten häufig viel zu viel über mich preis und damit kann nicht jeder, der sie liest, umgehen. Die Rosa selbst ist im Gegensatz zu dem, wie und was sie schreibt, mehr zurückhaltend und versteckt sich meistens hinter dem Schweigen; sie mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen, die Schüchternheit ist ihr oft im Weg, Schüchternheit, die sich noch aus der Kindheit hinter ihr herzieht, Schüchternheit, die sie nie mehr loslassen wird.

Umso mehr überrascht es mich, dass ich den Artikel, so wie er ist, bedingungslos annehmen und sagen kann – ja, es stimmt, es ist die Wahrheit, so bin ich. Danke dafür, Ilona!

 

Bloß eine Kleinigkeit wäre da zu berichtigen – „In der sibirischen Kälte“ ist kein Roman und nichts darin ausgedacht, aber das weißt Du ja :-) Und ... mein Foto ist ein bisschen groß geraten, so 'groß' bin ich nun auch wieder nicht ;-)))

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"Eine Reise auch in meine Kindheit"

Ein Kommentar zum Buch "In der sibirischen Kälte", den mir Adina Himmelreich gestern zukommen ließ und der mich zu Tränen rührte.

Sie hat mir erlaubt, ihn auf meiner Homepage zu veröffentlichen, was ich auch sehr gerne mache ...

 

"Rosa, ich habe es durch, Dein Buch „In der sibirischen Kälte“! Und ich bin tief beeindruckt ... ehrlich. Vieles in Deinen sehr offenen Schilderungen hat mich zum Nachdenken gebracht, einige Momente – zum Lachen. Einiges hat mich auch traurig gestimmt ...

Du hast so viele Erinnerungen, die in meinem Gedächtnis schon sehr verblasst waren, wieder ins Leben gerufen. Es war eine Reise auch in meine Kindheit, mit allen Höhen und Tiefen, und in die Jugendzeit, in unserem, doch eher schönem Dorf, unserem Schönfeld. Weißt Du, Rosa, woran ich denke ... wie viele Wege und Pfade gibt es in den Wäldern, Wiesen und Feldern, in dem ausgetrocknetem Sumpf, wo wir, wenn auch getrennt, gewandert sind. Der Baggersee, die Schule ... und so viel mehr verbindet uns ... Obwohl wir uns nie besonders nah waren, wo wir doch fast Nachbarn waren, hat mich Dein Buch Dir ein ganzes Stück näher gebracht.
Du bist klasse! Ich wünsche Dir viel Erfolg und gewiss – Inspiration und Kreativität beim Verfassen Deiner weiteren Werke, die es mit Sicherheit doch noch gibt, oder?
Und ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich so eine землячка
* habe.  
Bei einem Schriftsteller muss man, wie bei einem Chirurgen, das Gefühl haben, in guten Händen zu sein, damit man sich im Vertrauen betäuben lassen kann.“ /Saul Bellow (*1915), amerik. Schriftsteller, 1976 Nobelpr. f. Lit./
Und das Gefühl, „in guten Händen zu sein“, hatte ich beim Lesen Deines Buches. Jetzt fange ich mit „Andersrum“ an und bin mir sicher, es wird genauso spannend sein.

Viel Glück Dir und viele zufriedene und dankbare Leser!

 

Adina Himmelreich"

 

* землячка /semljatschka - so nennt man im Russischen eine Frau, die aus der gleichen Gegend, dem gleichen Ort oder dem gleichen Land kommt.

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Traurig, aber wahr

Heute beschäftigen mich Gedanken, die sich geradezu drängen, laut ausgesprochen, zumindest aufgeschrieben zu werden. Sie sind zum Schreien … Oder zum Verzweifeln? … 

Ja, Schreien wäre gar keine so schlechte Idee. Dennoch – ich werde es nicht tun. Auch verzweifeln werde ich nicht. Ich werde versuchen, meine Gefühle zu sortieren und sie hier in Worte zu fassen, obwohl ich kaum dafür Worte finden kann.

Ich habe fünf Geschwister. Es waren mal sechs, doch einer ist inzwischen tot. Von den fünfen stehen zu mir nur zwei Schwestern und nur mit einer von beiden habe ich regen Kontakt, mit Aneta. Sie ist sozusagen meine Verteidigerin, mein 'Blitzableiter' – sie wehrt alles ab, was gegen mich gerichtet ist (da ja alles ausschließlich ihr zugetragen wird; mit mir spricht keiner auch nur ein Wort). Sie argumentiert, beschwichtigt, erklärt – und sie macht es hervorragend. Natürlich bekomme ich dann von ihr einen vollständigen Bericht erstattet. Das ist auch gut so – ich will ja wenigstens auf dem Laufenden sein.

Worum geht es überhaupt? Nun, das ist eine lange Geschichte  vielmehr sind es mehrere Geschichten – über mein Leben, über meine Kindheit, über vergangene Tage die ich alle in einem Buch zusammengefasst und vor Kurzem veröffentlicht habe unter dem Titel: "In der sibirischen Kälte". In einem Text erzähle ich auch vom Kindesmissbrauch. Wie die meisten meiner Verwandtschaft darauf reagierten, allen vorneweg meine älteste Schwester Lilli (ohne das Buch überhaupt gelesen zu haben!) – das will ich hier verdeutlichen.

 

So erzählte mir gestern Aneta am Telefon von Lillis Anruf und der langen Diskussion mit ihr. Ich bewundere Anetas Fähigkeit, bei solchen Auseinandersetzungen ruhig bleiben zu können, nicht auszurasten – ich hätte das nicht geschafft.

 

Es ging natürlich um mich (natürlich!). Wie dreist es von mir sei, ein Buch zu schreiben, in dem ich die Familie so bloß stelle, was sollen die Leute jetzt über sie, Lilli, denken, sie werden sie doch dafür verachten, dass sie so einen Bruder hatte.

Aneta: "Keiner wird dich verachten, du bist ein eigenständiger Mensch und hast mit den Taten unseres Bruders nichts zu tun. Ja, es ist kaum zu begreifen und es ist sehr schlimm für uns alle, aber überleg doch mal, wie schlimm es für Rosa sein muss! Sie hat ein Recht darauf, es nicht zu verschweigen. Und wenn sie im Buch darüber geschrieben hat, dann musste sie das tun, dann konnte sie nicht anders. Und das Buch handelt nicht nur vom Missbrauch – es gibt darin eine einzige Geschichte, die sich direkt damit befasst. Du solltest es wirklich lesen, dann wirst du vieles verstehen und auch Rosa mit anderen Augen sehen."

Nein, das werde sie nie im Leben tun, so ein Buch lesen! Es sei sowieso alles gelogen. "Es gab gar keinen Missbrauch, nichts dergleichen. So etwas hat ihr die Psychotante eingeredet, ebenso wie sie ihr eingeredet hat, lesbisch zu sein ..."

Ich war im ersten Moment baff, sprachlos ... Eingeredet?...

Hätte ich die Möglichkeit, hätte ich laut losgelacht und Lilli direkt gefragt: "War es denn in der ersten oder zweiten Therapie, oder hatten die Therapeutinnen beide auf mich eingeredet? ... Vielleicht haben sie sich die Aufgaben ja sogar geteilt – eine war für den Kindesmissbrauch und die andere für die Homosexualität zuständig?"...

Traurig, nicht wahr?

"Und warum hatte ich es überhaupt nötig, Therapien zu machen, weißt du das auch?", würde ich sie ebenfalls, in ganz ernstem Ton fragen.

"Ach, depressiv! Von wegen! Sie war nie depressiv. Jetzt ist sie es nicht und als Kind war sie es schon gar nicht! Das hätten alle gemerkt, darüber hätte sie geklagt.  Kinder können überhaupt nicht depressiv sein – ausgeschlossen!"

Ich wäre an dieser Stelle wahrscheinlich schon zum zweiten Mal ausgerastet, aber Aneta antwortete ihr geduldig, dass Kinder sehr wohl depressiv sein können – sie solle mal entsprechende Fachliteratur lesen.

Falls Lilli mir das persönlich gesagt hätte und ich doch nicht ausgerastet wäre, hätte ich ihr auch einiges erzählen können. Zum Beispiel, wie oft ich mich als Kind gefragt hatte, warum Menschen überhaupt auf dieser Welt leben, wenn sie es doch gar nicht wollen – das Leben; ich war ja überzeugt – so wie ich mich fühle, so wie ich aus dieser Welt verschwinden möchte, so wollen es andere auch …

Was hätten sie – meine Geschwister, meine Eltern ... was hätten sie denn merken können?! Was hätte ich ihnen sagen sollen?!

Nein, ich lag auch nicht dauernd irgendwo in der Ecke und weinte vor Kummer! Ich hatte weiter gemacht, bin durchs Leben gegangen, so gut und tapfer, wie ich es nur tun konnte. Es gab ja (zum Glück!) Phasen, in denen die Depression weniger stark oder ganz abwesend war.

Aber wenn Lilli sagt, Kinder können nicht depressiv sein, dann können sie es nicht. Basta! Auch wenn sie allen Grund dazu haben.

Und da kommen wir wieder zum Grund, zum Auslöser ...

Ich weiß nicht, ob folgende Worte die Härtesten von allem waren, was meine große Schwester von sich gab, oder ob viel mehr alle auf die gleiche Weise ungeheuerlich waren, aber diese will ich nicht einmal kommentieren: "Wie kann denn ein Bruder mit seiner eigenen Schwester Sex haben wollen! Und wenn er so etwas getan hat, dann ist sie selbst schuld - sie hat sich bestimmt an ihn rangemacht!" ...

Dann holte meine Schwester den letzten 'Trumpf' heraus.

"Wenn er ein fünfjähriges Kind vergewaltigt hätte, dann hätte das Kind schlimme Verletzungen davongetragen – das hätte unsere Mutter mitbekommen!"

Da war sogar Aneta etwas verunsichert, wie sie mir am Telefon gestand. Wohl oder übel, ich musste ihr erklären, warum dies das schlechteste Argument von allen sei. Aber ich denke, so ausführlich brauche ich das hier nicht zu tun ... Natürlich hatte mein Bruder dafür gesorgt, nicht entlarvt zu werden, und die Spuren beseitigt! Und auch wenn er das Kind nicht verletzt hatte - mindert das seine Schuld? War es dann kein Missbrauch? Und vielleicht bekam meine Mutter es tatsächlich mit, wer weiß das schon? Jedoch hätte sie es ganz sicher nicht in die Welt hinausgetragen und auch Lilli nicht unbedingt davon erzählt! Aber vielleicht konnte sie noch Schlimmeres verhindern? Auch das weiß keiner.

Zum Ende des Telefonates sagte Aneta zu Lilli, sie solle mal nachdenken, die Welt sei voller Gewalt. Was würde sie machen, wenn so etwas Schreckliches einem ihrer Kinder oder Enkelkinder zustoßen würde?

Darauf antwortete Lilli ganz entschieden, das würde ihren Liebsten nie passieren, denn "sie sind anders!" ... Fein, Lilli. Außerordentlich fein.

 

Fazit: So lange es in unserer Welt Menschen mit gleichen Einstellungen und Ansichten gibt, so lange werden Kinder immer wieder missbraucht und die Lillis werden immer wieder wegschauen und behaupten, so etwas könne es gar nicht geben.

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Nachwort

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 10

Nach unserer Rückkehr hatte ich tatsächlich einen Brief an den Arbeitgeber von Oxana und Vera geschrieben – in russischer Sprache, versteht sich, in dem ich mich im Namen aller drei Zugreisenden für die gute Betreuung bedankte. Ob er was bewirkt hatte, ob er überhaupt angekommen war – das bleibt ein Geheimnis, denn beantwortet wurde er nie.

Es sind seit unserer eindrucksvollen Reise schon fast 13 Jahre vergangen, die Erinnerungen daran werden jedoch immer lebendig bleiben - dafür sorgen auch die vielen Fotos und ein Videofilm.

Nun bekamen auch wir Besuch aus Sibirien.  

Olga besuchte uns 2004. Für sie war dieser Aufenthalt gewiss auch etwas ganz besonderes, denn sie war noch nie im Ausland. Sie konnte außer Deutschland sogar noch Holland kennenlernen, wo wir mit ihr ein Wochenende verbrachten.

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Moskau

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 9

Die Zugfahrt zurück nach Moskau war der krasse Gegensatz zu der Fahrt nach Omsk. Wir hatten zwar wieder ein Abteil nur für uns drei und zwei Zugbegleiter – eine junge, distanzierte und desinteressierte Frau (desinteressiert zeigte sie sich nicht nur uns Ausländern gegenüber, sondern auch gegenüber allen anderen Passagieren) und ein ebenso kühler, geschäftiger junger Mann. Zu allem Leid hatten zwei von uns dreien starke Magenbeschwerden, vermutlich lag es an dem Fisch, den wir bei Raja serviert bekamen. Da ich keinen Fisch esse, ist wohl offensichtlich, wer betroffen war.

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Abschied - Der letzte Abend in Omsk

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 8

Zur Abschiedsfeier waren wir bei Raja eingeladen. Männer waren nicht dabei. Nicht, dass keiner sie haben wollte. Es gab sie einfach nicht, nicht für die anwesenden Damen. Warum wir drei ohne Herren-Begleitung auftraten, brauche ich natürlich nicht zu erklären. Was Olga betrifft, so war sie verwitwet. Eugens Bruder - ihr Mann (da lebten sie allerdings schon getrennt) - starb, als er noch keine 40 war, infolge des Alkohol-Missbrauchs (vorsichtig ausgedrückt). Raja könnte man ebenso als Witwe bezeichnen, obwohl keiner wusste, ob ihr vor vielen Jahren verschollener Ehemann (auch Alkoholiker) wirklich tot war oder doch noch am Leben ... irgendwo. 

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Im Kloster Achair

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 7

An einem trüben, regnerischen Tag (es war auch der einzige mit Schlechtwetter in dieser Woche) hatten wir einen Ausflug in das berühmte Nonnenkloster Achair unternommen. Das Kloster liegt auch am Irtysch, aber 45 km von Omsk entfernt.

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Datscha-Motive

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 6

Das Wetter war während unseres Aufenthalts in Omsk überwiegend schön und sonnig, perfekt für einen Ausflug ins Grüne, und so lud uns Galja auf ihre Datscha ein. Im Westen assoziiert man das Wort Datscha mit schickem Landhaus, umgeben mit  einem schönen Garten. Jedoch sind die meisten Datschen in Russland  nicht zum Entspannen da, sondern dienen für die Zusatzversorgung mit Kartoffeln, Gemüse und Obst. Es ist harte Arbeit, verbunden mit langen Fahrten, da die Datschen außerhalb der Stadt liegen, und wenn man kein Auto hat, muss man viel Zeit einplanen.

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In der Bibliothek

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 5

Der Besuch in der Bibliothek und das Treffen mit meinen ehemaligen Kolleginnen war selbstverständlich ein Muss. Sie freuten sich, mich zu sehen; man merkte ihnen auch an, wie neugierig sie auf die zwei Frauen waren, die mich begleiteten. Sie stellten viele Fragen zu unserem Leben, zu Deutschland und zu meiner Arbeit in der Stadtbücherei. Ich kam, ehrlich gesagt, kaum mit dem Übersetzen nach. 

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Im Dorf

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 4

Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin ... eine besondere Etappe der Russlandreise. Ich gebe zu – ich hatte Angst, dahin zu fahren, obwohl dieses Gefühl mir selbst völlig irrational vorkam. Erst Jahre später sollte ich den Grund dieser seltsamen Beklemmung erkennen und somit auch verstehen, warum ich schon als Kind depressiv war. Im Jahr 2003 hatte ich nicht die geringste Ahnung ...

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In Omsk 2

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 3.2

Auf den Straßen von Omsk

 

Es hat sich vieles verändert und doch war die Stadt immer noch die alte, die aus meiner Vergangenheit. Es fühlte sich an, als ob meine Träume in die Wirklichkeit eingedrungen wären. Die Menschen, die bekannten Straßen und Gebäude riefen Erinnerungen wach, sogar Empfindungen von damals kamen wieder hoch. Mit dem Wissen - ich bin nur Gast hier, nur für kurze Zeit - ergaben sie eine seltsame Mischung aus Wehmut, Hoffnung, Nidergeschlagenheit, Unruhe. Trotz alledem war da auch die freudige Erwartung, die Neugier. Wenn ich mir jetzt die Reisebilder ansehe, kann ich es wiederum kaum glauben, dass ich durch diese Straßen wirklich einmal gelaufen bin ...

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In Omsk 1

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 3.1

Bahnhof Omsk
Bahnhof Omsk
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Die Zugfahrt, Moskau - Omsk

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 2

Es gibt neun Bahnhöfe in Moskau. Wir mussten zum Kazanskij, aus dem die Züge unter anderen auch in Richtung Sibirien fuhren. Da wir nicht zwei Tage und zwei Nächte lang mit einem fremden und womöglich unsympathischen Menschen in engstem Raum verbringen wollten, hatten wir für uns das gesamte Abteil eines Schlafwaggons  gebucht. Einer von vier Plätzen war also nicht besetzt und so verfügten wir auch noch über genug Ablagefläche.

Sobald wir uns einigermaßen eingerichtet hatten, kam auch schon eine der zwei Schaffnerinnen. Sie stellte sich vor und man merkte, wie neugierig sie auf solch ungewöhnliche Fahrgäste war. Nein, so oft hatte sie in ihrem Waggon keine Ausländer.

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Wie alles begann

"Die Reise zurück - Wo ich einmal war", Teil 1

Russland ... Dieses Stichwort ist in fast allen meinen Texten vertreten. Nun wundert es auch denjenigen nicht, der weiß, dass es mein Herkunftsland ist. Das große Land, in dem es immer brodelt, sei es offen in den Zeiten der Revolution, des Krieges, der Perestroika, oder unterschwellig – stets und überall. In diesem Land habe ich die längste Zeit meines Lebens verbracht, bis ich 1992 im Alter von 38 Jahren als Aussiedlerin nach Deutschland kam.

In meiner Heimat hämmerte man den Menschen ein, dass es außerhalb des Vaterlandes kein glückliches Leben gibt, dass jeder, der es verlässt, von böser Nostalgie, von schmerzhaftem Heimweh befallen wird. Die meisten glaubten daran, darunter auch ich. Allerdings habe ich in den mehr als 20 Jahren, die ich schon in der Ferne lebe, kein einziges Mal Sehnsucht nach meiner alten Heimat verspürt, nicht mal in den anfänglichen schweren Zeiten. Ja, ich träume ständig von Früher, aber es sind Träume, voller Ängste und hässlicher Szenen, eigentlich eher Albträume. Wie oft befinde ich mich wieder in Omsk und stelle mit Entsetzen fest, dass ich nicht mehr wegkommen kann, dass ich meine Arbeit in der Stadtbücherei verloren habe (mit der Gewissheit – diese Stelle kriege ich nie wieder), dass ich keinen deutschen Ausweis mehr besitze. Wenn ich dann wach werde, ist meine Erleichterung – alles nur ein böser Traum! – riesengroß.

Ich wollte nie wieder nach Russland, nie wieder.

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Wer bist du?

Während der Vorbereitung meines Manuskriptes für den Karina-Verlag bin ich an einem Text hängen geblieben, den ich 1995 in der Schreibwerkstatt entwarf und 2011 im Internet veröffentlichte. Eigenartigerweise hat er mich aufs Neue berührt und zum Nachdenken gebracht, steckt in ihm doch so viel, damals schon Geahntes ...

Wer bist du?

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Warum das Schweigen brechen

Die letzten Tage haben mir wieder viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Ich habe einige Frauen mehr kennengelernt, mit denen mich ähnlich Schlimmes verbindet. Es ist zutiefst bedrückend, wie viele es sind. Das ganze Ausmaß begreift man erst, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, und dann fühlt man sich einer schwarzen, bodenlosen Ohnmacht nahe.

Viele Frauen schweigen darüber, was sie als Kinder ertragen mussten, auch noch deswegen, weil sie das Geschehene tief im Unterbewusstsein begraben haben. Früher oder später wird es dennoch unweigerlich an die Oberfläche gelangen; mit diesem Wissen  dann umzugehen, damit weiter zu leben, scheint für sie anfangs fast unmöglich. Sie schweigen aus Scham, oder weil sie sogar sich selbst die Schuld geben; sie versuchen, alles wieder zu verdrängen ...

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Für Reni

Vor zwei Tagen bekam ich einen neuen Kommentar auf meiner Webseite ...

"Liebe Rosa!

Endlich habe ich nachgeholt, was ich bislang versäumt habe: Dir ein paar Zeilen zu deiner wundervollen Seite zu schreiben. Einiges hat sich angesammelt und du hast es auf deiner Homepage zu einem lesenswerten Ganzen gemacht. Beinahe legst du uns dein Innerstes offen, indem du deine Leser an Dingen teilhaben lässt, die dich tief bewegen und die dein Leben geprägt haben. Ich bin sehr stolz darauf, einen kleinen Teil deines Weges mit dir gehen und dich begleiten zu dürfen. Für dich auf deinem weiteren Schaffensweg nur das Allerbeste. Herzlichst, deine Reni."

 

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Mein Universum

Auszug aus meinem Buch

"In der sibirischen Kälte"

 

Ich trete vorsichtig in einen dunklen, kühlen, weiten Raum ein und bevor ich mich richtig umsehen kann, bin ich eins mit der Gestalt, die sich dort befindet. Es erschreckt mich nicht, denn ich weiß sofort – diese Gestalt bin ich selbst, ich vor vielen Jahren.

Mich umgibt eine Sommernacht. Sie ist still, so still, dass ich fast glaube – es gibt nichts mehr, außer dieser Stille und Dunkelheit. Die ganze Welt scheint im tiefen Schlaf versunken zu sein, nur ein schwaches Rauschen und Rascheln ist hin und wieder zu hören. Wie so oft sitze ich vor dem Gartenzaun auf einer kleinen Holzbank, atme die frische Luft ein und lausche den geheimnisvollen Geräuschen. Ist es der Wind, der mit den Blättern des alten Ahornbaumes spielt? Oder ist es eine Katze auf ihrem nächtlichen Spaziergang? Ich bin allein, fürchte mich vor nichts, außer vielleicht vor mir selbst, und ich bin fünfzehn Jahre alt.

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Der Frühling meiner Kindheit

Der Winter meiner Kindheit war lang, sehr lang und Schnee gab es mehr als genug. Besonders die Straße, in der unser Haus stand, war davon betroffen. Das lag daran, dass der Nordwind quer darüberfegte und große Verwehungen hinterließ. Es gab keinen Räumdienst, so wie man ihn heute kennt, die Schneeberge wuchsen und wuchsen, sodass bald kein Fahrzeug mehr durchkommen konnte.

Allerdings will ich nicht über diese kalte Monate erzählen, sondern mich an die Zeit erinnern, die den Winter irgendwann langsam, aber sicher ablöste – den sibirischen Frühling. Er war für mich als Kind ein grandioses, aufregendes Ereignis.

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Die Heiratsfrage

Es kommt hin und wieder vor, dass ich 'Oma-Dienst' machen muss. Das heißt - die Enkelkinder wecken und zur Schule bringen, wenn die Eltern - beide - Frühschicht haben, danach muss ich natürlich noch selbst zur Arbeit fahren.

An solchen Tagen geht bei mir der Wecker schon kurz nach fünf. Weit fahren muss ich zum Glück nicht und die Kinder sind schon so selbstständig, dass sie nur ein bisschen Aufsicht brauchen, auch das Aufstehen fällt ihnen nicht schwer.

 

Der Zwölfjährige ist morgens nicht besonders redselig, die Erstklässlerin Julia hingegen legt los, kaum dass sie die Augen auf hat. „Oma, ich will dir was zeigen … Oma, weißt du was …“ Sie demonstriert mir ihre neuen Spiel- oder Anziehsachen, erzählt, was so alles in der Schule passiert ist und, und, und ...

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Aus Sibirien ins Sauerland

Heimat. Was verbinde ich mit diesem Wort?

An einem bitterkalten Tag, am 4. Dezember 1992, saß ich endlich mit meiner Familie im Flugzeug, das den Kurs nach Deutschland hielt. Darüber schrieb ich bereits. Nicht nur mein sehnlichster Wunsch ging in Erfüllung, sondern auch der meines Mannes und unserer Kinder. Fast zwei Jahre hatten wir auf diesen Moment gewartet – eine lange Odyssee, die mit viel Formalitäten, aber auch Kampf und Bangen verbunden war. 

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Alles gerät aus den Fugen

Interview mit Rosa Ananitschev

Kompass – Zeitung für Piraten

Publiziert am 31. Dezember 2014 von 

Ulrich Scharfenort (aka ulrics)

 

Kompass: Du hast ein Buch über Kindesmissbrauch geschrieben, was unterscheidet dieses Buch von anderen, die es sicherlich schon gibt?

 

Rosa Ananitschev: Die Mischung macht es. Die Mischung aus Märchenhaftem, Science Fiction, Sozialem und Geschichte mit einem Schuss Autobiografie. Wobei das zentrale Thema der Erzählung für alle Zeiten immer brandaktuell bleibt.

 

Kompass: Was inspirierte dich, das Buch „Andersrum“ zu schreiben?

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Genug

Manchmal berühren Worte auf besondere Weise unsere innere Saite, finden Einklang mit dem, was und wie wir fühlen. Solche Worte waren für mich heute diese Gedanken von Ilona Munique, die sie mir zukommen ließ. Ich möchte sie mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, teilen und habe von ihr die Erlaubnis bekommen, den Text auf meiner Homepage zu veröffentlichen. Mehr will ich auch dazu nicht sagen, sondern Euch einfach  lesen lassen ...

 

Dank und Gedanken zu „Andersrum“

 

„Trotz allen Widrigkeiten das Leben gut zu meistern“ ist kein spektakulärer, jedoch existentieller Wunsch. Dieses sagen zu können: "Mein Leben" und "ich habe es gemeistert" sind nun zweierlei. "Mein Leben" heißt natürlich erst einmal, es zu haben, was ja beileibe nicht selbstverständlich ist und permanent gefährdet. Und außerdem heißt es, dieses Leben auch tatsächlich spüren zu wollen (was in Phasen der Depression keine Selbstverständlichkeit ist), es annehmen zu wollen, mit all seinen schönen und hässlichen Facetten. Dazu gehört Gottvertrauen und ein stabiler Unterbau. Lisa, das kleine sibirische Mädchen in „Andersrum“ von Rosa Ananitschev, hatte nur einen relativ schwachen, wäre da nicht die Mutter gewesen, die – wenn auch müde, so doch zur Liebe fähig war. Und wäre da nicht die eigene innere Stärke gewesen, die Lisa so gerade noch am Leben erhielt, die sie in die Welt hinaus brachte und zu einem neuen Anfang. 

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Dann bin ich voller Hoffnung

Ich stelle fest, dass mein Büchlein zwischen den Millionen von anderen Folianten und Lektüren, Romanen und Geschichten immer weiter untergeht, und das macht mich traurig - ganz ehrlich.

Woran liegt es? Ist es schlecht geschrieben? Nach den Feedbacks, sowohl schriftlichen als auch mündlichen zu urteilen – nein.

Ist es zu klein? Ja, klein ist es, mit knapp 80 Seiten.

Hätte ich vielleicht statt einer Novelle einen Roman schreiben sollen?

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Buchvorstellung in Wien

Sarturia Autorinnen unterstützen ‘Respekt für dich’

 

Publiziert  auf www.Sarturia.de am 19. Oktober 2014 von ulrics

 

Renate Zawrel und Rosa Ananitschev werden am Samstag, dem 25. Oktober bei der Buchpräsentation ‘Jedes Wort ein Atemzug’ in Wien mit dabei sein. Auf dieser Buchpräsentation zugunsten der Hilfe für Gewaltopfer werden vier Bücher, initiiert und herausgegeben von Karina Pfolz, dem Publikum vorgestellt.

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Jedes Wort ein Atemzug

Der Verein "Respekt für Dich" hat in kurzer Zeit ein großartiges Projekt auf die Beine gestellt, an dem sich viele Autorinnen und Autoren beteiligen. Es wird eine Buchreihe "Jedes Wort ein Atemzug" veröffentlicht, bestehend aus drei Bänden. Der Erlös vom Verkauf kommt Gewaltopfern zugute. Die Präsentation der Bücher wird am 25.10.2014 stattfinden - in Wien, in Palais Coburg Residenz.

Ich freue mich, nicht nur mit meinen Geschichten mitmachen zu dürfen, sondern ganz besonders auf die Lesung in Wien. Der Flug ist schon gebucht!

Mein Dank an Karina Pfolz und ihre Kolleginnen, die dies alles ins Leben gerufen und organisiert haben.

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Was kann jeder von uns gegen den Missbrauch von Kindern tun?

Was kann jeder von uns tun gegen den Missbrauch von Kindern?

Es gibt viel Populismus um dieses sensible Thema. Es wird von den Politikern viel versucht, dennoch durch teilweise wilden Aktionismus mehr geschadet als genützt.

Dabei steht Aufklärung an erster Stelle. Viel zu oft entgehen auch nahen Angehörigen die Symptome von Missbrauch. Hier muss angesetzt und geholfen werden, sodass man erkennen kann, warum ein Kind plötzlich das Verhalten verändert und was dies bedeutet.

Einen Weg zeigt uns das moderne Märchen „Andersrum“. Es erzählt die Geschichte eines traurigen jungen Mädchens mit einem düsteren Geheimnis. Gerade durch die ungewöhnliche Erzählweise geht einem das Schicksal der kleinen Lisa deutlich näher.

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Buchvorstellung im "Buchladen am neuen Markt"

Foto: Schulte
Foto: Schulte

Am 12. Mai durfte ich mein Buch "Andersrum" im "Buchladen am neuem Markt" (Inhaberin Silke Schulenburg) in Hemer der Presse vorstellen. Anwesend: Carmen Fürstenau von "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung" und Christoph Schulte vom "Stadtspiegel".

Zeitungsartikel "Anzeichen für einen möglichen sexuellen Missbrauch erkennen". Rosa Ananitschev präsentiert Buch "Andersrum"
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