„Ich bin gespannt auf die Parallelen, die wir in unserer Kindheit hatten“, schrieb mir Ida Häusser in der Widmung zu ihrem Buch Meins!

Wenn du sofort jede Fähigkeit perfekt beherrschen könntest: Welche wäre das – und warum? Wenn ich eine Fähigkeit sofort perfekt beherrschen könnte, wäre es wohl die Redegewandtheit – die Kunst, frei und sicher zu sprechen. Spontan ist es das Erste, was mir einfällt. Aber ist Redegewandtheit überhaupt eine Fähigkeit? Wie auch immer: Mir fehlt sie seit meiner Geburt. Schon als Kind war ich schweigsam – zu Hause, draußen, in der Schule. Ich hasste es, vor der Klasse zu stehen und...

Wir haben es wieder getan: meine Urheimat Bad Sooden-Allendorf besucht, wenn auch nur übers Wochenende. Eine kleine Auszeit aus dem Alltag, die der Seele ausgesprochen gut getan hat. Dieser Ort hat eine ganz eigene Wirkung auf mich. Dort fühle ich mich zu Hause. Warum, darüber habe ich in früheren Beiträgen schon geschrieben, also erspare ich euch Wiederholungen. Ein paar Bilder folgen trotzdem gleich. Die Motive sind allerdings nicht neu, bloß aus einem anderen Blickwinkel eingefangen.

„Wenn ich heute aus dieser Weite, einer Weite, die weniger in Kilometern als vielmehr in Zeit gemessen wird, zurückblicke, erscheint mir die Vergangenheit zugleich unglaublich fern und seltsam nah. Dann denke ich über den Sinn meines Lebens nach.

In meinem Leben ist in jüngster Zeit einiges passiert, und ich befürchte, es wird noch mehr geschehen – das Jahr ist schließlich noch nicht zu Ende. Vielleicht lassen mich gerade deshalb die Gedanken über den Tod nicht los.

Dieser Text, ursprünglich mit der Überschrift „Gedanken zur späten Stunde“, stammt aus meiner alten Schreibwerkstattmappe. Als ich ihn las, dachte ich, wenn ich ihn etwas überarbeiten und anpassen würde, könnte er vielleicht noch lesenswert sein. Jetzt frage ich mich allerdings, was ich damit eigentlich sagen wollte, damals, vor mehr als 30 Jahren. Hm …

Welcher Moment hat dir gezeigt, dass du stärker bist, als du dachtest? Es gab da einen Moment in meinem Leben, an dem ich sehr verzweifelt war. Eigentlich war es nicht nur ein Moment, sondern ein ziemlich langer Zeitraum, angefangen mit dem Tag der Mitteilung, dass mein Arbeitsvertrag in der Stadtbücherei nicht mehr verlängert wurde und ich bereits am nächsten Tag nicht zur Arbeit erscheinen solle. Das war hart, für mich wahrlich eine Katastrophe.

Der Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt Spuren, die tiefer reichen, als wir es zunächst begreifen können.

Wenn ich mir sage, dass du verreist bist, auf einer Mission, dass du weit fort gegangen bist, für eine lange, stille Zeit, vielleicht bis ans Ende der Welt, oder weiter, noch weiter hinaus, an den Rand des Universums … Wenn ich mir sage, dass du irgendwo da draußen bist, umgeben von guten Menschen, erfüllt von Glück und Frieden, dass du, obwohl du uns so fern bist, an uns denkst, an alle deine Lieben, uns vermisst, so sehr, wie wir dich vermissen … Wenn ich mir das so sage, dann spüre...

Wir waren gerade an Mikels Grab. Es ist immer noch mit Kränzen und Blumen übersät. Ich kann es kaum glauben, dass darunter, unter einer Erdschicht, mein Enkelkind liegt. Tot. Nie wieder wird er mir am Telefon sagen: „Hallo Oma! Wie geht es dir, was macht ihr heute Schönes?“ Nie mehr wird er Weihnachten mit uns am Tisch sitzen und uns sein Lächeln schenken.

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