Drabbles

Im Dorf - Für Vegetarier nicht geeignet

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Wochenende bei den Großeltern im Dorf ... Ohne Kühe, Schweine und Co. ist ein Bauernleben kaum vorstellbar, und meine Kinder wussten ganz genau, woher das Fleisch kam, das sie gerne verzehrten. 

Nach dem Mittagessen wird der vierjährige Paul, ein ziemlich aufgewecktes Kerlchen, unruhig und fängt an, etwas zu suchen. Er wandert durch alle Zimmern, sieht unter allen Betten nach, macht alle Schränke auf …

 Als er das Gesuchte nicht findet, setzt er sich in den Sessel und überlegt angestrengt. Dann steht er entschlossen auf und geht  zur Großmutter in die Küche.

 "Sag mal, Oma, habt ihr den schwarzen Kater auch schon aufgegessen?!"

Der Farbmalkasten

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Als sie sich langsam nach vorne bückte (diese verdammten Rückenschmerzen!), erkannte Vera endlich den Gegenstand. Ein Farbmalkasten lag unter der Parksitzbank. Er sah ganz neu aus. Vera lächelte. Als sie klein war, hatte sie so gerne gemalt! Sie erinnerte sich noch sehr lebhaft an ihre ersten Aquarellfarben, die bunten Stifte und an den schönen dicken Malblock.

 Vera hob den Kasten auf und legte ihn vorsichtig auf die Bank. Vielleicht findet ihn ja ein Kind und freut sich darüber…

 Am nächsten Morgen öffnete sie wie gewöhnlich die Lokal-Zeitung, und die schwarze Schlagzeile ließ sie erstarren:

SPRENGSTOFF IM FARBMALKASTEN - ZEHNJÄHRIGES MÄDCHEN GETÖTET!

Nachts

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Ihre Angst war groß. Wird er sie wieder holen, so wie er es fast jede Nacht tat? Nur selten entkam sie ihm. Wenn es ihr manchmal gelang, ihn abzuwehren, konnte es passieren, dass er sie am helllichten Tag, in einem Moment ihrer Unachtsamkeit, doch noch erwischte.

 Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie angestrengt in die Dunkelheit. Nur wachsam bleiben, konzentriert, dann würde sie merken, wenn er kommt. Dann hätte sie wieder eine Chance, seinen Fesseln zu entfliehen. Eine Chance, zu siegen.

 All’ ihre Mühe war jedoch vergebens – der Schlaf übermannte sie und beförderte sie direkt in die Klauen ihres Albtraumes.

Meine Liebe so einseitig

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Die Haare stehen dir zu Berge,
Du sträubst dich ständig gegen mich,
Doch mag ich dich so furchtbar gerne!
Du jagst mir Stacheln ins Gesicht!

Ich hätte fast ein Dorn im Auge!
Warum verstehst du mich denn nicht?
Das Süße, das ich dringend brauche,
Behältst du ganz allein für dich.

Ich bin enttäuscht und noch viel mehr –
Ich bin bedrückt und auch beleidigt.
Wo mache ich denn was verkehrt,
Warum du dich so stur verteidigst?

Meine Liebe sinkt, weil nur einseitig.
Ich komm‘ dir nicht mehr in die Quere.
Ich such‘ mir süße Freude anderweitig,

Du kleine, dicke, reife Stachelbeere!

 

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