Trauer

Der Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt Spuren, die tiefer reichen, als wir es zunächst begreifen können.

Wenn ich mir sage, dass du verreist bist, auf einer Mission, dass du weit fort gegangen bist, für eine lange, stille Zeit, vielleicht bis ans Ende der Welt, oder weiter, noch weiter hinaus, an den Rand des Universums … Wenn ich mir sage, dass du irgendwo da draußen bist, umgeben von guten Menschen, erfüllt von Glück und Frieden, dass du, obwohl du uns so fern bist, an uns denkst, an alle deine Lieben, uns vermisst, so sehr, wie wir dich vermissen … Wenn ich mir das so sage, dann spüre...

Wir waren gerade an Mikels Grab. Es ist immer noch mit Kränzen und Blumen übersät. Ich kann es kaum glauben, dass darunter, unter einer Erdschicht, mein Enkelkind liegt. Tot. Nie wieder wird er mir am Telefon sagen: „Hallo Oma! Wie geht es dir, was macht ihr heute Schönes?“ Nie mehr wird er Weihnachten mit uns am Tisch sitzen und uns sein Lächeln schenken.

Es ist schwer, zurück zur Tagesordnung, zu gewöhnlichen Dingen des Alltags zu wechseln, einfach weiterzumachen. Nach dem tragischen Tod eines so geliebten Menschen ist nichts mehr wie es war. Jede Erinnerung an ihn schmerzt. Die Fotos an der Wand, auf denen Mikel und seine kleine, frisch eingeschulte Schwester fröhlich in die Kamera grinsen, ein anderes, das ihn selbst am ersten Schultag zeigt – man möchte sie lieber nicht ansehen. Er war ein so liebenswerter Junge, von allen und jedem...

Viele, die dies lesen, wissen es bereits. Andere wundern sich vielleicht angesichts des Beitragstitels und des Bildes, aber so fühlen wir uns – als wären wir in ein schwarzes, bodenloses Loch gestürzt. Es ist unfassbar, für alle, die Mikel kennen und lieben gelernt haben. Mein Enkelsohn, der wunderbarste Mensch der Welt, ist nicht mehr da. Von einem Moment auf den anderen hat das Schicksal ihn uns genommen, für immer. Es gibt keinen Trost, nichts, was diesen unendlichen Schmerz lindern...

Meine liebe Schwester, es tut mir unendlich leid, dass ich diese Zeilen erst jetzt schreibe und Du sie nicht mehr lesen kannst. Auch in meinem Buch habe ich Dich nur am Rande erwähnt, obwohl mich mit Dir doch so vieles verbindet. Und es tut mir leid, dass wir in den letzten Jahren Deines Lebens außer gelegentlichem Telefonieren keinen regelmäßigen Kontakt hatten. Wie so oft, wird es einem bewusst, was man alles versäumt hat, erst dann, wenn es zu spät ist.