Wortspielereien


Deine Ignoranz produziert

meinen Pessimismus

 

Versuch einer kleinen, aus möglichst vielen Fremdwörtern bestehenden Geschichte.

Du ignorierst meine Existenz. Ich exponiere mich für dich auf jeder Party. Das Resultat ist stets negativ. Die Konkurrenz ist enorm! Ich bin sensibel, und ich bin frustriert, dann explodiere ich. Das amüsiert dich nur. Ich variiere die Details meines Verhaltens und präsentiere mich cool und ironisch. Du reagierst extrem direkt, und das Skalpell in deiner Hand korrigiert meine Ironie zum Respekt… Dann ignorierst du wieder meine Existenz. Ich diagnostiziere eine progressive Migräne bei mir, in meinem Schädel pulsiert es, meine Gedanken sind chaotisch. Ich balanciere zwischen Depression und Aggression. Ich will einen Dialog, keinen Konflikt! Aber die Conversation mit dir führt bloß zu meiner Konfusion… Hast du eventuell einen Lover?

Wie ein Stalker spioniere ich dir nach und fotografiere dich. Deine Porträts hängen überall in meinem Appartement und hypnotisieren mich.

Wenn ich mit dir ein Date haben will, hast du einen Termin beim Friseur. Wenn ich dich zum Diner einladen möchte, hast du keinen Appetit.

Ich brauche dringend Innovationen und einen Ausweg aus dieser Krise. Eine Symbiose mit dir wäre das Happy End! Du hast aber kein Interesse daran und protestierst immer wieder. Ich resigniere… 

Die letzte und definitiv effektivste Option ist das Ausradieren deines Namens aus allen meinen Registern inklusive Gedächtnis. Eventuell reduziert das meinen Pessimismus und produziert dominierenden Optimismus in mir. Dann wirst du für mich auch nicht mehr existieren, genauso wie ich für dich. Dann sind wir endlich quitt!


In der Tinte

 

Diesen Text fand ich in meinem alten Notizbuch, das noch aus der Zeit der Schreibwerkstatt stammt. Die Aufgabe der Kursleiterin war – jeder Teilnehmer wirft spontan in den Raum ein Wort und schreibt dann eine kleine Geschichte, in der alle vorgeschlagenen Wörter vorkommen müssen. Blödsinn ;-) – das, was daraus geworden ist, aber irgendwie auch witzig. Ich musste lachen, als ich mein Werk las, und doch war ich erstaunt darüber, dass man auch aus ein paar losen Begriffen was machen kann.

Das waren die Begriffe:
Seife, Astronaut, Humor, Netto, Eifersucht, Tinte, Ofen, Reich, Toyota, Eis

Es ist allgemein bekannt, dass ein Astronaut viel mehr Netto verdient als ein einfacher Sterblicher. Ob alle Astronauten reich sind, bleibt dahingestellt. Und wenn schon? Was nutzt ihm das Reichtum, wenn er monatelang in der Schwerelosigkeit hängen muss? Da kann er auch den teuersten Toyota nicht fahren. Es sei denn, es kommt irgendwann so weit, dass Astronauten einen fremden Planeten entdecken, wo sie sich auch mit einem Toyota austoben können ...

Und was nutzt dem Armen das viele Geld, wenn seine Frau auf der Erde alleine, ohne Aufsicht lebt, und alles machen kann, was sie will, auch sich so richtig schön austoben? So manch einem Raumfahrer brach schon das Herz vor Eifersucht, so manch einer saß tief in der Tinte des Weltalls, die er mit keiner Seife abzuwischen vermochte. Aber wir – diejenigen, die ein bisschen Humor haben, werfen all‘ diese Gedanken in den Ofen und gehen jetzt am besten Eis essen.