Wortspielereien


Bild von PDPics auf Pixabay
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Du ignorierst meine Existenz. Ich exponiere mich für dich auf jedem Event. Das Resultat? Negativ! Every time. Die Konkurrenz ist mega groß! Ich bin desillusioniert, bis hin zu frustriert, dann explodiere ich. Das amüsiert dich nur. Ich korrigiere mein Agieren und präsentiere mich cool-ironisch. Du reagierst extrem und der Cutter in deiner Hand transformiert meine Ironie just in Respekt … Prompt setzt deine Ignoranz wieder ein. Ich diagnostiziere bei mir eine progressive Migräne, in meinem Schädel pulsiert es, mein Denkprozess ist instabil. Ich balanciere zwischen Depression und Aggression. Ich will einen fairen Dialog, keine Kontroverse, aber auch die simple Konversation mit dir deprimiert mich … Hast du eine Aversion gegen mich? … Eventuell einen Super-Lover?
Wie ein Stalker spioniere ich dir nach und fotografiere dich. Deine Porträts hängen all over in meinem Appartement und hypnotisieren mich.
Wenn ich mit dir ein Date haben will, hast du einen Termin. Wenn ich dich zum Diner einladen möchte, boykottierst du die Location oder hast keinen Appetit.
Ich brauche dringend einen Ausweg aus dieser Situation. Eine Liaison mit dir wäre das Happy End! Du zeigst partout kein Interesse daran und reagierst nicht auf meine Mails. Landen die direkt im Spam-Folder? Gib mir noch eine last Chance! … What? No??? … No …
Ich resigniere … 
Mir bleibt nur eine radikale, eventuell die effektivste, Option – das Ausradieren deiner Namen und Nicknamen aus all‘ meinen Registern inklusive Gedächtnis plus Demolierung sämtlicher deiner Fotografien … Das wird meinen Pessimismus rasch in Optimismus konvertieren. Danach wirst auch du für mich – genauso wie ich für dich – nicht mehr existieren. Dann sind wir endlich quitt. Definitiv! 

Bild von Pintera Studio auf Pixabay
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In der Tinte

 

Diesen Text fand ich neulich in meinem alten Notizbuch, das noch aus der Zeit der Schreibwerkstatt stammt (1994). Die Aufgabe der Kursleiterin war – jeder Teilnehmer wirft ein Wort in den Raum und schreibt dann eine kleine Geschichte, in der alle vorgeschlagenen Wörter vorkommen müssen. Blödsinn – zugegeben – das, was ich daraus gemacht habe, aber irgendwie auch witzig.

Das waren die Begriffe:
Seife, Astronaut, Humor, netto, Eifersucht, Tinte, Ofen, reich, Toyota, Eis

Es ist allgemein bekannt, dass ein Astronaut viel mehr netto verdient als ein einfacher Sterblicher. Ob alle Astronauten reich sind, bleibt dahingestellt. Und wenn schon? Was nützt ihm der Reichtum, wenn er monatelang in einem engen Raum eingesperrt ist und in der Schwerelosigkeit hängen muss? Da kann er auch den teuersten Toyota nicht fahren.

Und was nützt dem Armen das viele Geld, wenn seine Frau auf der Erde allein, unbeaufsichtigt lebt und alles machen kann, was sie will, wenn sie die Möglichkeit hat, sich so richtig auszutoben? So manch einem Raumfahrer brach schon das Herz vor Eifersucht, so manch einer saß tief in der Tinte des Weltalls, die er mit keiner Seife mehr abwaschen konnte.

Wir jedoch – diejenigen, die ein bisschen Humor besitzen – werfen all‘ diese Gedanken in den Ofen und gehen jetzt Eis essen.