Ohne Aussprache

Meine älteste Schwester in jungen Jahren.
Meine älteste Schwester in jungen Jahren.

Die meisten Leserinnen und Leser, die meine Homepage besuchen, kennen, wenn auch nur grob, meine familiären Verhältnisse. Nach der Veröffentlichung meines autobiografischen Buches haben sich einige Familienmitglieder, darunter zwei meiner Geschwister, von mir distanziert. Ich wurde sozusagen aus der Verwandtschaftsliste gestrichen.

In dem Blogartikel „Vergebung“ schrieb ich einmal:

 

„Vielleicht tut es denjenigen von ihnen, die mich der Lüge bezichtigt und verstoßen haben, inzwischen leid? Aber ihnen als Erste die Hand zu reichen, dazu bin ich nicht bereit. Sie leben noch, sie können ihren Verstand nutzen, ihr Fehlverhalten eingestehen und versuchen, es wiedergutzumachen. Wenn sie das nicht wollen, dann bleibt es eben so – bis ans Ende ihrer und meiner Tage.“

 

Damals klangen meine Worte hart, vielleicht sogar kompromisslos. Sie waren Ausdruck meiner Bitterkeit und zugleich ein Versuch, mich selbst zu schützen. Ich glaubte, es gäbe noch Zeit. Zeit für Einsicht.

 

Nun ist die Zeit abgelaufen:

Meine älteste Schwester ist gestorben.

 

Sie hat es nicht mehr geschafft, mit mir zu sprechen oder zu klären, was ihr – trotz meiner deutlichen Worte im Buch – so unverständlich war. Jetzt ist es endgültig. Zu einer späteren Einsicht, einem „Wir hätten früher reden sollen“, wird es nicht mehr kommen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass manche Gespräche nicht beliebig auf ein „Irgendwann“ verschoben werden können.

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