Nicht zum ersten Mal greife ich das Thema Winter in meinem Blog auf. Jetzt haben wir sie auch wieder – diese Jahreszeit, kälter als üblich. Meine Frau und ich haben uns sogar Mützen gekauft, ein ungewohnter Anblick, denn bisher hatten wir nie das Bedürfnis danach. Was meint ihr, welche Mütze gehört zu meinem Kopf?
Ich bin froh, dass ich bei diesem Wetter nicht nach Lüdenscheid pendeln muss, wo der Schnee sich noch hartnäckiger hält. Stattdessen darf ich als Rentnerin die meiste Zeit zu Hause im Warmen verbringen. Denn Frost und Kälte sind längst zu meinen Feinden geworden.
In meiner Kindheit war das anders. Auf dem zugefrorenen Baggersee Schlittschuh laufen, rodeln oder mit den Skiern unterwegs sein – das war Winter, ein Winter, der Spaß machte. Die Freude am Schnee und an all den Möglichkeiten, die er bot, war groß. Man denke nur an Schneeballschlachten, den Bau von Schneemännern oder Burgen und viele andere Vergnügungen.
Die Stimmung der fünfzehnjährigen Rosa Schütz wird in dem nachfolgenden Gedicht, das ich 1994 verfasst habe und das ihr vielleicht schon hier auf meiner Seite gelesen habt, gut dargestellt – ich finde es jedenfalls gelungen.
Schneesturm
Im Gestern ist der Frost geblieben,
Der Winter aber noch in vollem Gange.
Der Wind hat seine kalte Wut vertrieben
Für kurze Zeit.
Was will ich mehr von ihm verlangen?
Er schenkt mir einen Schneesturm heute –
Mein Lieblingswetter. Mir zur Freude!
Der Wind ist sanft und dennoch kräftig.
Er wirft mir feine Nadeln ins Gesicht.
Er tobt und wirbelt mit Gelächter
Im Hexentanz.
Das macht er sicher nur für mich!
Ich tanze mit dem Wind durch Schnee,
Ich spüre keinen Druck in mir. Nicht mehr!
Ich fühle mich wie neu, bin aufgelebt.
Die kleinsten Sorgen sind verschwunden.
Mein Herz ist rein und unbeschwert,
Gedanken klar.
Mein Feind in mir ist festgebunden.
Wie herrlich ist das – frei zu sein,
Wenn im Herzen Sonnenschein.
Der Wind beruhigt sich fast plötzlich.
Am Abend wird es still. Es schneit.
Die Flocken fallen weich und zärtlich
Auf mein Gesicht,
Wie Teilchen aus der Ewigkeit …
Nur fünfzehn Jahre bin ich hier,
Auf dieser Welt. Mein Leben liegt vor mir.
Doch diese unbeschwerten Zeiten (ganz sorglos waren sie ohnehin nicht) sind längst vorbei. Klar: Als Erwachsene hatte ich im Winter mehr Probleme als Vergnügen, und die brauche ich gar nicht aufzuzählen. Hinzu kommt eine Kälteallergie, die sich durch Juckreiz, Hautrötungen und aufgeplatzte Fingerkuppenhaut zeigt, und mich bis heute belastet.
Der Winter in Deutschland ist kein sibirischer Winter – meist mild, oft schneelos. Und doch gelingt es mir nicht, die kindliche Liebe zu dieser Jahreszeit wiederzufinden. Sie ist verschwunden, und ich weiß: Sie wird nicht zurückkehren.
Gemein
Nachtrag vom 14. Januar
Den Winter schweren Herzens akzeptiert, uns tapfer auf eisige Temperaturen eingestellt, hübsche Mützen gekauft, uns darüber gefreut … und jetzt? Frost weg, Schnee weg, Plusgrade da; es regnet … Wie gemein ist das denn?






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