Aus den Augen - aus dem Sinn

In der Sowjetunion waren behinderte Menschen schon immer in den Schatten „gedrängt“, nicht gern gesehen. Behindert zu sein war verpönt und beschämend, eine Katastrophe für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Angehörigen. Es ist eine lange „Tradition“ des kommunistischen Regimes, die eine besonders starke Ausprägung unter Stalins Führung fand.

Foto: Владимир Моисеев / Pixabay
Foto: Владимир Моисеев / Pixabay
In Gedenken an die Gehörlosen – Opfer der politischen Repressalien 1937
In Gedenken an die Gehörlosen – Opfer der politischen Repressalien 1937

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges hat Millionen behinderter Menschen hervorgebracht. Für das siegreiche sowjetische Volk wurden sie zu großem Schandfleck. Armlos, beinlos, bettelten viele auf der Straße, in Bahnhöfen, in Zügen. Damit sie das Bild des sowjetischen Glücks nicht störten, begannen die Behörden in den 1950er-Jahren, die Invaliden des Großen Vaterländischen Krieges loszuwerden, sie in Internate zusammenzubringen – das berüchtigtste davon befand sich auf der Insel Valaam. Dies wurde vom Diktator persönlich angeordnet. Betroffen waren hauptsächlich die Kriegsversehrten, die ohne Verwandte zurückblieben und auf der Straße lebten. Zugegeben, für sie waren diese „Sanatorien“ oft die Orte, an denen sie zumindest eine Art Hilfe und Schutz erhielten. Ja, man könnte solche Aktionen für gut befinden, wenn sie nicht unter Zwang und Gewalt durchgeführt und wenn die Menschen ausreichend versorgt wären. Aber auch für diejenigen, die Familien hatten, wurden ihre eigenen vier Wände auf gewisse Weise zum lebenslangen Gefängnis.

 

 

 

 

„Rest auf dem Weg“ – Zeichnung von Gennady Dobrov, Insel Valaam
„Rest auf dem Weg“ – Zeichnung von Gennady Dobrov, Insel Valaam

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