Nähfabrik Nr. 1 in Moskalenki (spätere Aufnahme)
„Der Mensch mag sich wenden, wohin er will, stets wird er auf jenen Weg wieder zurückkehren, den ihm die Natur einmal vorgezeichnet hat.“ Johann Wolfgang von Goethe

Lisa aus "Andersrum" hat Geburtstag. Illustration: Jutta E. Schröder
Es sollte eine Kurzgeschichte zu einem Bild werden … einem, auf dem ein kleines Mädchen eine riesige, in die Erde eingepflanzte, leuchtende Glühbirne bestaunt. Eine Mischung aus Fantasie und eigenen Kindheitserlebnissen – zunächst als abgeschlossene Geschichte auf einer Internetplattform. Im Mittelpunkt steht die kleine Lisa, ein Kind, das in einem sibirischen Dorf aufwächst und Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen Fremden macht. Der Fremde will Lisas sehnlichsten Wunsch erfüllen...

In einer Schubladenecke zwischen den alten, noch aus meiner früheren Heimat mitgebrachten Zeugnissen, Scheine und Urkunden, fand ich neulich ein kleines festes, rotes Büchlein – ein sogenanntes Orden-Zertifikat (орденская книжка).

Ich hatte Glück, eine beste Freundin in meiner Kinder- und Jugendzeit zu haben. Die neue Mitschülerin, die eines Tages – es war im zweiten Schuljahr – in das Klassenzimmer trat, wurde schon bald zu einem der liebsten Menschen in meinem Leben. Ohne dieses fröhliche Mädchen mit den Grübchen in den Wangen und dem ansteckenden Lächeln wäre mein Leben grau und trostlos.

Wer kennt das nicht? Du suchst in den abgelegten Papieren nach einem bestimmten Schriftstück und entdeckst zufällig etwas anderes, was dich aufs Neue ins Grübeln bringt. So habe ich aus einer Schreibtisch-Schublade diesen Leserbrief hervorgezogen, verfasst von einer mir unbekannten Frau. Den Brief samt beigefügtem Geschenk hatte sie für mich in einer Bücherei abgegeben, wo ich 2016 eine Lesung hielt. * * *

Ida Hetterle im Alter von 14 oder 15 Jahren
"Besonders glücklich bin ich aber, wenn einer glücklich ist, den ich liebe." Sei Shōnagon ... Ein Zitat, das ich vor vielen Jahren entdeckte. Diese Worte berührten mich sehr, ließen mich innehalten, in mich hineinhören und sie als (m)eine persönliche Wahrheit erkennen.

„Im eigenen Körper und im Leben gefangen, erwartet mich nichts mehr auf dieser Welt.“ Dieser Satz, ruhig wie eine längst beschlossene Sache ausgesprochen, traf sie mitten ins Herz …

Obwohl ich mich zunächst entschlossen hatte, dem keine Beachtung zu schenken und mich nicht aufzuregen, merke ich, dass es mir doch keine Ruhe gibt. Also habe ich entschieden, die Sache auf eine andere, auf meine persönliche, Art abzuhacken – indem ich meinen Gedanken hier freien Lauf lasse.

Sechsundzwanzig Jahre schon lebe ich in Deutschland und muss zugeben, ich vergleiche immer noch – dieses Land mit dem anderen, den ersten Teil meines Lebens mit dem zweiten. Das geschieht ohne mein Zutun, die Gedanken sind einfach da – beim Einkaufen, beim Bus- oder Zugfahren, bei alltäglichen Erledigungen. Ich finde die Unterschiede stets aufs Neue erschreckend und bedrückend.

„Bei diesem Wetter kann man doch nur depressiv werden“, höre ich oft den einen oder anderen seufzen, wenn es draußen trüb und regnerisch ist. Dann zucke ich innerlich mit den Schulten und denke (manchmal sage ich es auch laut), dass schlechtes Wetter keine Auswirkung auf meine Stimmung hat. Jedenfalls ruft es bei mir keine Depression hervor.

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